
Blogeinträge (themensortiert)
Thema: Literatur
Abschied von...
Franziska Kelly ist tot!

Das Foto zeigt die Autorin beim Kärtner Krimipreis 2005
Sie starb im Februar 2010.
Ulrike M. Dierkes 19.02.2010, 21.10 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Irgendwie und irgendwo ist immer Krieg

Manchmal, wohl meistens, wäre es leichter, zu schweigen. Des lieben Friedens Willen.
Aber wann bin ich dem Frieden näher? Wenn ich um des lieben Friedens Willen schweige? Wenn ich den Scheinfrieden wahre? Wenn mir die Idylle des guten Ansehens, des schönen Scheins wichtiger ist? Wenn mir wichtiger ist, dass ich beliebt bin oder was die Leute von mir denken, halten und über mich reden?
Wer will schon die Auseinandersetzung?
Im Februar 2007 besuchte ich meinen alten Freund Istvan in Budapest, der als politisch Verfolgter viele Jahre in Gefangenschaft war. Ich fragte ihn, wie er diese Zeit überlebt habe. Er sagte: „Wenn ich aus dem Fenster meines Verlieses schaute, sah ich immer einen strauchartigen Baum. Er blühte im Mai. Rosa. Es war rosafarbener Jasmin. Jedes Mal, wenn ich die rosafarbenen Blüten sah, sagte mir meine innere Stimme, dass ich die Freiheit wiedererlangen würde.“ Istvan kam tatsächlich wieder frei, emigrierte nach Washington, kehrte nach dem Fall der Mauer in seine Heimat zurück und erhielt 2006 für sein maßgebliches Engagement und Mitwirken der II. Ungarischen Republik einen der höchsten ungarischen Auszeichnungen, den mittleren Kreuz des Verdienstes mit dem Stern (englisch: Order of Merit, Commander’s Cross with the Star, of the Republic of Hungary).
Täter möchten, dass Gras über ihre Opfer wächst; das ist auch für Mittäter geschickter. Und für die Umgebung leichter. Die Opfer, Hinterbliebenen und Überlebenden, drohen dagegen am Schweigen auch ihrer Umwelt zu ersticken.
Das Eis zu brechen war meine Absicht, mit der ich kam. So wurde ich Schriftstellerin. Die Feder im Anschlag gegen Gewalt. Ein bescheidenes Mittel als Werkzeug zu einem gewaltlosen Kampf, ja den Federkrieg. Mit Papier und Patronen habe ich harte Papierschlachten geschlagen. Auf dem Schlachtfeld der Silben blieb so manches Herz gebrochen zurück. In meinen wildesten Zeiten muss ich eine Verbalterroristin gewesen sein, Anschläge. Täglich neue Anschläge, und immer mitten ins Herz. Formulierungen, die wie Geschosse dem Vulkan meiner verletzten Seele entsprangen. Treffsichere Sätze. Krieg um Worte und Sätze. Ein Sarkasmusgemisch in westlicher Wildnis.
Mein Weg führte mich in verschiedene Welten der Zivilisation. Manchmal sah es aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen.
„Nehmen Sie Platz, wenn Sie einen finden“ sagte einmal eine Gastgeberin und fegte mit einer Handbewegung Revolverblätter von einem Stuhl. Meine Augen wollten flüchten, blieben aber an einem vergilbten Plakat vom letzten Blutspendetermin hängen, an Leere, Patronenhülsen und Verzettelungen.
„Wir sind den Krieg gewohnt“ sagte sie, womit sie wohl das Hamstern und Sammeln meinte. Sicher war ihr nicht bewusst, wie makaber ihr Satz klang.
Kann man sich an den Krieg gewöhnen? Ich befürchte: ja. An den kalten Krieg im Alltag, im Beruf und an das System des Gegeneinanders. Machtkämpfe. Sage „Frieden“ und sage „Krieg“ und jeder denkt an etwas anderes. Amputierte Seelen, Bombendrohung, Bombenstimmung, Folter, Hass, Helden und Heilige, Holocaust, Mahnmale, Märtyrer, Selbstmordattentäter, Terror. Manchmal schwirren einem die Bezeichnungen und Worte um die Ohren. Sprechsalven. 65% aller Mitmenschen wollen sich nicht mit sozialen, politischen oder sozialpolitischen Inhalten auseinandersetzen. Zu anstrengend. Nicht wenige Menschen sterben an gebrochenen Herzen, bevor der Glanz des Lebens in ihren Augen erlischt und ihre Seelen zerbrechen.
Ein Krieg, der sublim abläuft. Mitten unter uns.
©Ulrike M. Dierkes, 2007
Ulrike M. Dierkes 13.08.2008, 15.45 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Ausmisten und Schreiben
Hungerlohn - oder: ich glaube, mich tritt ein Pferd
Soundtrack: Bitte Pferde nacheinander anklicken und singen lassen!
***
Da soll einer sagen, Schreiben sei eine brotlose Kunst. Mal ganz
abgesehen vom jährlich stattfindenden Schriftstelleressen, bei dem kein
Kollege verspeist, aber jede Menge geistige Nahrung zu sich genommen
wird, flattert mir doch tatsächlich ein Angebot der besonderen Art auf
den Schreibtisch oder genauer gesagt: per e-Mail auf den heimischen
Bildschirm und dies lautet tatsächlich so:
„Sehr geehrte Damen und Herren,
ich biete für Sie und Ihre Autorenkollegen (Forum) DEN Platz, wo Sie in Ruhe Ihren Best-seller schreiben können.“
Oh, da schaut man als Nichtbestsellerautorin ja schon mal näher hin,
denn wer sehnt sich nicht nach einem lauschigen Plätzchen, womöglich
mit Hüttencharme oder gar am offenen Meer?
Aber es geht noch weiter:
“Ich bitte Sie mein Angebot zu prüfen und in Ihrem Forum bzw. auf
Ihrer Homepage zu veröffentlichen. Für Ihre Unterstützung danke ich
Ihnen ganz herzlich.“
Naja, also wenn’s mehr nicht ist und ich dafür ein lauschiges Plätzchen mit Bestseller-Garantie erhalte.
****
“Hier finden Sie DEN Platz, wo Sie in Ruhe Ihr Buch schreiben können!* Wir bieten für Autoren zum Schreiben ihrer Bestseller den idealen Platz“...
und jetzt wird’s interessant: „...mit viel Ruhe in herrlichster Umgebung und gleichzeitigem körperlichen Ausgleich zur Ideensammlung.“
Das mit der Ruhe lässt sich ja noch gut an, wobei manchmal auch eine
gewisse Geräusch-kulisse menschlicher Töne nicht unübel sein kann.
Kommt drauf an, woran man gerade schreibt. Aber der Zusatz
„gleichzeitigem körperlichen Ausgleich“ lässt mich denn doch
aufhorchen. Ich meine, ich mache auch meine Pausen. Laufen im Wald,
Kaufen in der Stadt, eigentlich ist mein Gleichgewicht körperlicher und
sitzender Tätigkeit gut ausbalanciert, aber mal sehen, was geboten wird:
„Für einen *Arbeitsaufwand von ca. 4 Stunden* täglich können Sie auf
unserem familienbe-triebenen Seminar- Pferdehof *bei freier Unterkunft
und Verpflegung* leben. Die tägliche Arbeit besteht aus: Stalldienst
(Ausmisten und Versorgung der Pferde), Hilfe in der Küche und im
Gästebereich. Fachkenntnisse sind hierfür nicht erforderlich, aber
Zuverlässigkeit und selbständiges Arbeiten erwünscht.“
Jetzt bin ich aber platt, um nicht zu sagen sprachlos. Also die
Mithilfe am firmeneigenen oder privaten Herd oder der Küche würde ich
ja eventuell noch zusagen, bin ich es doch gewohnt, meinen Teller
selber zu spülen und bisher nicht auf die Idee gekommen, mein eigenes
heimi-sches Domizil bestsellerträchtig gegen Mithilfe im Haushalt
anzubieten, aber warum eigentlich nicht? Da liegt noch ein Stapel
ungebügelte Oberhemden...möchte jemand? Aber Ausmisten, wo ich selber
weder Hund und Katze habe? Und dann noch den Pferdestall? Ich meine,
wenn ich durch den Wald laufe und mir hoch zu Ross Reiter entgegen
kommen, ging ich bisher davon aus, dass die selbstverständlich das hohe
Ross, auf dem sie sitzen, auch selber pflegen, nie wäre mir in den Sinn
gekommen, es könne sich um autorengepflegte Gäule handeln.
„*Lust auf neue Impulse?* Gerne können Sie auch am Unterricht oder
bei den Seminaren teilnehmen. Unseren Seminar- und Meditationsraum
können Sie gerne mit nutzen. Näheres finden Sie auf unserer Homepage
*www.pferdehof-steinhauser.de.*“
Also den Besuch auf der Homepage spare ich mir lieber, denn ich frage
mich gerade, was, wenn aus dem Geschriebenen dann doch kein Bestseller
wird?
Kann ich beim Finanzamt oder der Künstlersozialkasse eintragen: „4
Stunden Ausmisten eines Pferdestalles gegen ein ruhiges Plätzchen“
müsste ja auch für den Lebensabend und ein Ruhekissen reichen und sind
in Abzug zu bringen?
Es geht sogar noch weiter:
„Wir bewirtschaften als Familienbetrieb (3 Generationen) einen
Seminarhof und bieten Kurse und Ferien für 8 Gäste an. Unser Angebot
ist der alternative Umgang mit den Pferden. Reiten ohne Trense,
TTEAM-Arbeit, Kommunikation mit Pferden, Feldenkrais und Reiten, sowie
therapeutische Arbeit.“
Mit den Pferden? Oder an mir selbst?
“Unser Hof liegt am Ortsrand eines kleinen Weindörfchens. Das alles in ruhiger, landschaft-lich reizvollen Umgebung mit viel Weite, alten Wäldern, sanften Hügeln und einem Fluss direkt vor der Tür. Gleichzeitig in der Nähe von berühmten Städten wie Rothenburg o.T., Nürnberg, Würzburg, Dinkelsbühl und vielen kleinen historischen Bilderbuchstädtchen.“
Also mein Schreibtisch steht am Naturschutzgebiet, Botnang direkt vor
der Haustür, die schwäbische Alb siebzig Kilometer zur einen Richtung
und der Schwarzwald auch irgendwie so 50 KM.
Einmal wöchentlich darf ein Vollbad genommen werden! Aber nur, wenn die
Kehrwoche eingehalten und korrekt durchgeführt wurde. Es besteht das
Angebot, meine Autorenlesungen zu besuchen und an meinen Fachvorträgen
teilzunehmen Gegen Eintritt, versteht sich. Schließlich stelle ich ja
meinen Schreibtischstuhl zur Verfügung, auf dem schon manch gute Sache
gelaufen ist. Rein mental versteht sich.
Also was mir an diesem Luxus-Angebot fehlt, ist die Bezahlung in Naturalien. Pferdeäpfel oder so. Biokost.
Also sollte ich zum nächsten Schriftstelleressen auf einem hohen Ross daher kommen, bitte keine falschen Rückschlüsse! Dann bin ich nicht unbedingt etwa dank eines Bestsellers oder bestsellerverdächtigen Schriftstücks aufgestiegen oder hochgekommen oder gar in bessere Kreise geraten, sondern man hat mir mal wieder was vom Pferd erzählt und ich bin drauf reingefallen. Wäre ich 20 und Anfängerin, würde ich das Angebot im Sinne der Lebensschule, nicht Schule des Schreibens, vielleicht sogar näher überprüfen und als Praktikum betrachten, Thema: Ferien auf dem Reiterhof...vielleicht wird’s ja der Renner...
Aber soooo....
nix für ungut!
Frohe Weihnachten und lieber Tannenbaum schmücken.
Ulrike M. Dierkes
Ulrike M. Dierkes 20.12.2007, 22.53 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Auftraggeber


exempla, Literaturzeitschrift Jubiläums-Doppelband 2004/05, Jahrgang 30/31
Ulrike M. Dierkes 23.06.2007, 17.21 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Hasenliebe


"Unbeschreiblich weiblich" rororo, 1981
Anna Rheinsberg/Barbara Seifert (HG)
Ulrike M. Dierkes 23.06.2007, 16.29 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Eine Seite
Einseitig
Eine Seite. Ich bin Schriftstellerin, also eine Person, der das Schreiben schwer fällt. Geboren mit einer Feder im Haar. Diese tauche ich Tag und Nacht in die Abläufe um mich herum, den Aktualitäten der Momente, der Gestirne, der Jahreszeit und der Träume, kurz: Zeitgeschehen. Das ist mein Elixier, seit der Computer die Tinte ablöste. Mein Schriftstellergehirn ist rund um die Uhr aktiv, lässt sich nur sehr ungern runterfahren wie ein Computer und wenn, dann nur aus Neugier auf das Leben daneben und die Träume der Nacht.
Es muss Bildern und Gedanken folgen, und das in der Schnelligkeit heutiger Abläufe, die ein hohes Arbeitstempo erfordern. Ein Gedanke, ein Gefühl, ein Wort, ein Text. Unterbrochen durch den Schlaf ist mein Schriftstellergehirn nachtaktiv wie eine Fledermaus. Bilder, die auf dem Bildschirm meiner Träume auftauchen, werden vom Radarsystem fotografiert und abgespeichert zu Texten. Die einzig wirkliche Unterbrechung, die Herz und Hirn fordern, heisst Bedürfnis. Essen, Trinken, Begegnung, Gedankenpause, Rausgehen und Wiederkommen.
Die natürlichen Feinde schriftstellerischer Gedanken und schöpferischer Tiefgänge heissen Festnetz-und Mobiltelefon, Radiowecker, Informations-und Reizüberflutung. Diese wollen organisiert werden, damit sie nicht zum Störfall werden. Nichts ist schlimmer für einen Denker und Dichter, als aus einem Satz, einem gerade angedachten Zusammenhang gerissen zu werden. So entstehen Texte, Wachsen und Werden,Werk und Wert eines Poeten.
Ulrike M. Dierkes 23.11.2006, 18.29 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Captcha Abfrage
| jörg |
| schön...! |
| 25.9.2009-16:47 |
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| Jessica Müller |
| Liebe Frau Dierkes, ich habe mir vor einigen Tagen das Buch "SchwesterMutter" gekauft und ich war so erschüttert und verzweifelt, was Ihnen wiederfahren ist und was leider noch immer Tausenden weiteren Kindern leider Gottes passiert. Schrecklich, aber ich beneide Sie auch um Ihre Kraft und Ihren Mut, den Sie aufgebracht haben, was bei Gott nicht einfach ist. Ich selber bin kein Kind, was durch inzest enstanden ist, aber trotzdem schmerzt es mich unendlich, wenn ich höre, es passiert und ist geschehen und unsere feine Gesselschaft schaut noch heute viel zu oft weg, was ich so furchtbar und mies finde, denn meistens ist es doch so, dass die Opfer noch als die Schuldigen dargestellt werden. Ich hoffe, dass viele viele Leute dieses Buch gekauft haben und damit ihre Augen geöffnet haben und mehr achten, was in manchen Familien passiert und den Mut aufzubringen, zu helfen, wenn es nötig ist, denn viel zu viele Menschen halten sich die Augen bewusst zu und ich hoffe, dass es besser wird, um all den Opfern des Missbrauchs schneller und besser zu helfen. GLG aus Gelsenkirchen, Jessica Müller |
| 13.3.2009-10:49 |
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| Sesana |
| Ich habe mir vor ein paar Tagen ihr Buch "Schwestermutter" gekauft und heute innerhalb weniger Stunden durchgelesen. Ich bewundere Sie für Ihre Stärke und Ihr Engagment für all die Leute, die einen ähnlichen Leidensweg wie Sie gehen müssen. Aber Sie geben auch anderen Menschen Kraft durch Ihr Buch. Menschen, die auch durch andere Umstände in Ihren Familien unterdrückt werden oder in ihrem Leben aus Richtung der Gesellschaft. Ich hatte das Gefühl, die Worte gaben Kraft und auch die Gewissheit: "Es geht immer weiter. Man muss die Fäden nur selbst in die Hand nehmen." Einfach toll, wenn die Vergangenheit von Ihnen auch sehr erschreckend ist. Ich werde Ihren Weg weiter mitverfolgen! Liebe Grüße aus Hamburg. |
| 11.12.2008-20:12 |
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| Karin |
| Ihre Lebensgeschichte ist unglaublich! Ich bewundere Sie für Ihre Stärke und Kraft, die Sie aufgebracht haben, damit Sie dort hinkommen, wo Sie jetzt sind! Es schockiert mich, wie Menschen soo sein können! Wie sehr sie sich nach der Gesellschaft richten und Leute die "anders" sind, ausgrenzen! Dieses Buch hat mich sehr bewegt und mich zu anderem Denken bewegt! Machen Sie so weiter! Liebe Grüße aus Österreich! |
| 27.11.2008-19:45 |
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| Maria |
| Das Buch hat mich sehr bewegt. Es war auch irgendwie schrecklich, da ich auch einiges erlebt habe. Ich bin gerade dabei ein Buch zu schreiben. Aber ich werde wohl auch noch eine gewisse Zeit brauchen. Alles Gute! |
| 9.11.2008-22:16 |
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